Jod: oft unterschätzt
Warum ist Jod in der Beikost ein Thema, woher bekommt das Baby es, und was gilt für stillende Mütter?
Nach dieser Lektion kannst du die Jodversorgung im Beikostalltag erklären (Meeresfisch, später Milchprodukte), die Empfehlung für stillende Mütter weitergeben und weißt, wann eine Ergänzung beim Baby selbst in Frage kommt.
etwa 11 Minuten
Eine stillende Mutter, Baby acht Monate, hat gelesen, dass Deutschland Jodmangelgebiet ist. „Ich salze den Brei jetzt mit einer Prise Jodsalz, damit sie genug bekommt. Das ist doch besser als gar nichts, oder?“
Wie antwortest du?
Warum Jod unterschätzt wird
Jod ist ein Nährstoff, der oft übersehen wird, dabei ist er für die Schilddrüse und damit für die Entwicklung des Babys enorm wichtig. Die Schilddrüse braucht Jod, um Hormone zu produzieren, und diese Hormone steuern Wachstum, Stoffwechsel und auch die Hirnentwicklung.
In Deutschland und in vielen europäischen Ländern ist von Natur aus wenig Jod im Boden und damit auch wenig in der pflanzlichen Nahrung. Die WHO und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stufen Deutschland als Jodmangelgebiet ein. Das klingt dramatisch, ist aber über jodiertes Speisesalz und Meeresfisch gut handhabbar — auch für Babys, nur eben auf anderem Weg als bei Erwachsenen.
Der Bedarf eines Babys zwischen 6 und 12 Monaten liegt bei etwa 80 Mikrogramm pro Tag. Das ist eine kleine Menge, aber sie will gedeckt sein. In der Beratung ist die Zahl weniger wichtig als die Einordnung: Es geht nicht darum, Jod zu jagen, sondern darum, den Fisch nicht zu vergessen und die stillende Mutter nicht zu übersehen.
Wofür braucht das Baby Jod, und was bedeutet die Einstufung Deutschlands als Jodmangelgebiet?
Woher Jod im Beikostalltag kommt
Die wichtigsten Quellen sind Meeresfisch und Milchprodukte. Beim Fisch enthalten vor allem Seelachs, Kabeljau und Schellfisch viel Jod. Ein- bis zweimal pro Woche püriert oder als kleine Stücke angeboten, je nach gewähltem Beikostweg, ist die Orientierung.
Wichtig für die Auswahl: Thunfisch und große Raubfische sollten Babys nicht oder nur sehr selten bekommen, weil sie hohe Mengen an Quecksilber enthalten können. Lisas Empfehlung lautet, lieber auf Lachs, Seelachs oder Makrele zu setzen.
Milchprodukte enthalten ebenfalls Jod, weil viele Milchkühe Jod ergänzt bekommen. Joghurt, Quark und Käse, die ab dem ersten Geburtstag in normalen Mengen auf den Tisch kommen, tragen zur Jodversorgung bei.
Und der Punkt, an dem Eltern regelmäßig hängen bleiben: In der Beikost wird möglichst kein Salz hinzugefügt. Wenn das Kind ab dem ersten Geburtstag am Familientisch mitisst und die Familie leicht jodiertes Speisesalz verwendet, trägt das natürlich bei — aber das ist später, nicht im ersten Beikostjahr.
| Quelle | Was gilt | Ab wann |
|---|---|---|
| Seelachs, Kabeljau, Schellfisch | jodreicher Meeresfisch, püriert oder als kleine Stücke, ein- bis zweimal pro Woche | mit der Beikost |
| Thunfisch und große Raubfische | nicht oder nur sehr selten, weil sie hohe Mengen Quecksilber enthalten können | — |
| Joghurt, Quark, Käse | tragen in normalen Mengen zur Jodversorgung bei | ab dem ersten Geburtstag |
| Jodiertes Speisesalz | in der Beikost wird möglichst kein Salz zugesetzt; am Familientisch trägt es bei | ab dem Familientisch |
Eine Familie möchte dem Baby regelmäßig Fisch geben und fragt, welcher passt. Was rätst du?
Die stillende Mutter und die Frage nach der Ergänzung
Bei stillenden Müttern ist die eigene Jodversorgung ein wichtiger Faktor, weil Jod über die Muttermilch an das Baby weitergegeben wird. Die DGE empfiehlt stillenden Müttern eine Jodergänzung von 100 bis 150 Mikrogramm pro Tag. Wer stillt, bespricht das mit der Hebamme oder dem Frauenarzt — für dich ist es die Stelle, an der du im Wochenbett ohnehin schon bist.
Wann ist eine Jodergänzung beim Baby selbst sinnvoll? In vegetarisch oder vegan lebenden Familien, in denen wenig Milchprodukte und kein Fisch gegessen werden, kann sie sinnvoll sein. Auch hier gilt: erst mit dem Kinderarzt sprechen, nicht auf eigene Faust ergänzen.
In der Beratung lohnt es sich, beide Wege in einem Satz nebeneinanderzustellen. Eltern hören sonst nur den einen — entweder sie kümmern sich um den Fisch und vergessen die Mutter, oder sie versorgen die Mutter und denken, damit sei das Thema für das Baby erledigt.
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