Wasser anbieten, vor allem im Sommer
Ab wann, wie viel und aus welchem Gefäß bekommt ein Baby Wasser — und was ändert sich an heißen Tagen?
Nach dieser Lektion kannst du Eltern zu Wassermengen je Lebensmonat, zum passenden Becher und zur Wasserwahl beraten, das Vorgehen bei Hitze für gestillte und Pre-Babys unterscheiden und die Dehydrierungszeichen benennen.
etwa 11 Minuten
Eine Mutter, Baby siebeneinhalb Monate, hat drei Trinklernflaschen geschenkt bekommen und zeigt sie dir. „Aus welcher soll sie trinken? Und sie nimmt sowieso nur zwei Schluck und schiebt den Becher weg — sollte sie nicht mindestens ein Fläschchen Wasser am Tag schaffen?“
Was rätst du ihr?
Wasser ist Übung, nicht Versorgung
Ab dem Beikoststart, also ab dem siebten Monat, darf Wasser dazukommen. Der Grund ist nicht der Flüssigkeitsbedarf, sondern die Gelegenheit, das Trinken aus einem Becher zu üben. Die meiste Flüssigkeit kommt weiterhin aus Muttermilch oder Pre.
Die Mengen wachsen langsam mit: Im siebten und achten Monat reicht ein kleiner Becher zur Mahlzeit, vielleicht 50 bis 100 Milliliter, von denen das Baby oft nur ein paar Schluck nimmt. Im neunten und zehnten Monat steigt die Menge auf etwa 100 bis 150 Milliliter pro Tag, im elften und zwölften auf etwa 200 Milliliter pro Tag.
Beim Gefäß ist Lisa eindeutig: ein offener kleiner Becher mit zwei oder drei Schluck Wasser darin. Das trainiert die Mundmotorik optimal. Trinklernbecher mit Strohhalm oder Schnabel sind ein Übergang, aber nicht so gut wie der offene Becher, und Saugflaschen für Wasser braucht es eigentlich nicht. Für Eltern ist der offene Becher zuerst die unbequemere Wahl — es kleckert. Genau das ist der Lernvorgang.
Und das Wasser selbst? Stilles, gefiltertes Leitungswasser ist in Deutschland fast überall sehr gut geeignet. Babywasser kann man kaufen, muss man aber nicht. In den ersten Monaten kann Leitungswasser kurz abgekocht und abgekühlt werden, später ist das nicht mehr nötig. Mineralwasser nur still, ohne Kohlensäure und mit niedrigem Mineralgehalt, gekennzeichnet als für Säuglinge geeignet.
Wasser je Lebensmonat
| Mahlzeit | Menge (Orientierung, keine Vorgabe) |
|---|---|
| Zur Mahlzeit | ein kleiner Becher, 50 bis 100 ml |
| Tatsächlich getrunken | oft nur ein paar Schluck |
| Hauptflüssigkeit | Muttermilch oder Pre |
Wasser ist hier vor allem Übung für den offenen Becher.
Eine Familie fragt, welches Wasser sie dem sieben Monate alten Baby anbieten soll. Was rätst du?
Hitze: was sich ändert und was nicht
An heißen Tagen kommt die Frage, ob das Baby jetzt mehr Wasser braucht. Aarons Ausgangspunkt: Babys dehydrieren leichter als Erwachsene. Also darf an heißen Tagen etwas mehr Wasser angeboten werden — die Hauptflüssigkeit bleibt aber Muttermilch oder Pre.
Dabei unterscheidest du zwei Wege. Bei gestillten Babys gilt: häufiger anlegen. Das Baby reguliert die Menge selbst, und die Muttermilch passt sich an. Bei Pre-Babys kannst du im Hochsommer zusätzlich kleine Mengen Wasser anbieten, etwa 20 bis 50 Milliliter zusätzlich pro Tag, je nach Hitze und Aktivität.
Worauf Eltern im Sommer achten sollen, ist die Windel: ausreichend nasse Windeln. Macht das Baby nur noch wenig oder gar kein Pipi mehr, ist das ein Warnsignal für Dehydrierung. Auch eine eingesunkene Fontanelle, trockene Lippen oder ungewohnte Müdigkeit können Anzeichen sein. In dem Fall sofort zum Kinderarzt — das ist keine Sache, die man über Nacht beobachtet.
Was im Sommer ausdrücklich nicht hilft: gezuckerte Getränke, Säfte, Saftschorlen. Sie verstärken den Durst eher, weil der Körper zusätzlich Wasser zur Verarbeitung des Zuckers braucht. Klares Wasser ist die beste Wahl.
Dehydrierung im Sommer erkennen
- Nur noch wenig oder gar kein Pipi mehr, deutlich weniger nasse Windeln
- Sofort zum Kinderarzt
- Eingesunkene Fontanelle
- Sofort zum Kinderarzt
- Trockene Lippen
- Sofort zum Kinderarzt
- Ungewohnte Müdigkeit
- Sofort zum Kinderarzt
- Das Baby trinkt an heißen Tagen wenig Wasser, hat aber nasse Windeln und ist munter
- Kein Warnsignal: weiter anbieten, gestillte Babys häufiger anlegen
Es ist Hochsommer. Eine Mutter stillt ihr sieben Monate altes Baby voll und gibt seit zwei Wochen Brei. Sie fragt, ob sie jetzt mehr Wasser aus der Flasche geben muss. Was rätst du?
Wasser im Alltag anbieten
Lisas Tipp für den Sommeralltag ist unspektakulär und wirksam: Stell dem Baby regelmäßig einen kleinen Becher Wasser hin, auch zwischen den Mahlzeiten. Babys merken Durst nicht so klar wie Erwachsene und sagen nicht „Ich habe Durst“. Aber wenn Wasser dasteht, trinken sie meistens. Mach daraus eine Routine, statt es an das Durstgefühl zu koppeln.
Dazu kommt der zweite Weg, über den Flüssigkeit ins Kind kommt: wasserreiche Lebensmittel. Wassermelone, Gurke, Beeren liefern nebenbei viel Flüssigkeit und sind an heißen Tagen ein schöner Snack. Bei Beeren und Trauben gilt weiterhin die Erstickungsregel — halbieren oder vierteln, dazu mehr in der Lektion zur Familienkost.
Für die Beratung heißt das: Zwei Sätze reichen. Becher hinstellen, auch ungefragt. Und im Sommer öfter etwas Wasserreiches auf den Teller legen. Alles andere regelt das Baby, solange die Windeln nass bleiben.
Ordne jeder Sommersituation die passende Beratung zu.
0 von 5 zugeordnet
Fragen aus der Beratung
0 von 4 richtig
4 Aufgaben sind noch offen.