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Übergang zur Familienkost

Was darf ab dem ersten Geburtstag auf den Familientisch, und was bleibt weiterhin tabu oder vorsichtig zu handhaben?

Nach dieser Lektion kannst du Eltern beim Übergang zur Familienkost sagen, welche Grenzen bei Salz, Zucker und Kuhmilch gelten, welche Lebensmittel wegen Erstickungs- oder Keimrisiko weiterhin angepasst werden müssen und warum die Esskultur mehr prägt als das einzelne Lebensmittel.

etwa 13 Minuten

Video folgt
Übergang zur Familienkost4 bis 5 MinutenLisa
Praxisfall

Eine Mutter, Kind gerade dreizehn Monate: „Ich koche für vier und habe keine Lust, zweimal zu kochen. Jetzt ist er ein Jahr, jetzt kann ich doch normal salzen, oder? Er isst sowieso den ganzen Tag Brot mit Käse.“

Was antwortest du?

Was jetzt auf den Tisch darf — mit drei Grenzen

Mit dem ersten Geburtstag endet die klassische Beikostzeit. Das Kind isst im Wesentlichen mit der Familie mit: Brot, Pasta, Reis, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier — in moderaten Mengen alles in Ordnung. Interessant für die Beratung sind die drei Grenzen, die bleiben.

Salz darf jetzt mitgekocht werden, aber sehr sparsam: etwa ein Gramm pro Tag, das ist weniger als ein halber Teelöffel. Wer oft salziges Brot oder Käse gibt, hat das Tageslimit schnell erreicht. Der praktische Handgriff: bei der eigenen Mahlzeit erst nachsalzen, wenn das Kind seine Portion bereits hat.

Zucker bleibt sparsam — süße Sachen ab und zu, aber nicht als tägliche Routine. Honig ist jetzt erlaubt, vorher war er wegen des Botulismusrisikos verboten. Aber auch Honig ist im Grunde Zucker, also sparsam.

Kuhmilch zum Trinken in moderaten Mengen, etwa 200 bis 300 Milliliter pro Tag. Joghurt, Quark und Käse dürfen reichlicher sein, dabei aber auf den Salzgehalt achten, vor allem bei Käse.

Kontrollfrage

Eine Mutter fragt, ob ihr einjähriges Kind jetzt Honig aufs Brot bekommen darf. Was antwortest du?

Was weiterhin angepasst wird — und was ganz wegbleibt

Die zweite Hälfte des Gesprächs betrifft das, was auch nach dem ersten Geburtstag nicht einfach mitgegessen wird. Es zerfällt in zwei Gruppen, und diese Unterscheidung macht die Beratung leichter.

Erstickungsgefahr — hier geht es um die Form. Ganze Trauben oder Beeren immer halbieren oder vierteln. Ganze Nüsse und Kerne erst ab vier oder fünf Jahren, vorher gemahlen oder als Mus. Harte rohe Apfelstücke vorsichtig dosieren. Hartwurst, Hartkäse und harte Karottenstäbchen klein schneiden.

Keime und Inhaltsstoffe — hier geht es um das Lebensmittel selbst. Rohes oder halbgares Ei, Fleisch und Fisch bleiben wegen Salmonellen und anderer Keime problematisch: Tartar, Carpaccio, Sushi, weichgekochtes Ei sind erst später ein Thema. Rohmilchkäse, etwa Camembert oder Brie aus Rohmilch, lassen Familien noch ein bis zwei Jahre weg, weil er Listerien enthalten kann; pasteurisierter Käse ist in Ordnung. Stark verarbeitete Wurst wie Salami oder Mortadella enthält viel Salz und Nitritpökelsalz — sparsam einsetzen, lieber selbst gemachter Brotaufstrich oder einfache Kochwurst. Und Koffein ist tabu: Cola, Energydrinks, Eistee, auch nicht in kleinen Mengen.

Nach dem ersten Geburtstag: anpassen oder weglassen
LebensmittelWas giltWarum
Trauben und BeerenImmer halbieren oder viertelnErstickungsgefahr
Ganze Nüsse und KerneErst ab vier oder fünf Jahren, vorher gemahlen oder als MusErstickungsgefahr
Harte rohe Apfelstücke, Hartwurst, Hartkäse, harte KarottenstäbchenKlein schneiden, vorsichtig dosierenErstickungsgefahr
Rohes oder halbgares Ei, Fleisch, Fisch (Tartar, Carpaccio, Sushi, weichgekochtes Ei)Weiterhin weglassen, erst später ein ThemaSalmonellen und andere Keime
Rohmilchkäse wie Camembert oder Brie aus RohmilchNoch ein bis zwei Jahre weglassen, pasteurisierter Käse ist in OrdnungListerien
Salami, Mortadella und andere stark verarbeitete WurstSparsam, lieber einfache Kochwurst oder selbst gemachter AufstrichViel Salz und Nitritpökelsalz
Cola, Energydrinks, EisteeTabu, auch in kleinen MengenKoffein
Sitzt das?
Zuordnen

Ordne jedem Lebensmittel den Grund zu, aus dem es angepasst oder weggelassen wird.

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Süßigkeiten, Esskultur und die Absprache mit allen

Ein Punkt, den Lisa oft sieht: Eltern fangen mit dem ersten Geburtstag an, Süßigkeiten zu geben — Geburtstagskuchen, Schokolade, Kekse. Das ist nicht verboten, aber ihre ehrliche Empfehlung lautet: so lange wie möglich verzögern. Die Geschmacksprägung läuft weiter, und je später ein Kind die hyperintensive Süße kennenlernt, desto besser akzeptiert es die natürliche Süße aus Obst.

Wichtiger als jede einzelne Regel ist aber, was am Familientisch passiert. Das Kind isst jetzt mit: Es schaut zu, imitiert, lernt durch Beobachtung. Die Esskultur der Familie prägt das Kind mehr als jedes einzelne Lebensmittel. Sitzt die Familie zusammen am Tisch? Wird beim Essen geredet? Nimmt man sich Zeit? Das alles lernt das Kind ganz ohne Worte — und das ist der Teil der Beratung, den Eltern am wenigsten erwarten.

Lisas letzter Tipp für den Übergang ist ein organisatorischer: mit Großeltern, Tagesmutter und Kita sprechen. Erklären, was das Kind essen darf und was noch nicht. Salz, Zucker, ganze Nüsse — das sollte überall konsistent gehandhabt werden, sonst bekommt das Kind unterschiedliche Botschaften. Für dich als Hebamme heißt das: Gib die Regeln so mit, dass Eltern sie weitererzählen können, in einem Satz je Punkt.

Lückentext

Ab dem ersten Geburtstag darf sparsam mitgesalzen werden, etwa Gramm pro Tag, weniger als ein halber Teelöffel. Honig ist jetzt , bleibt aber im Grunde Zucker. Kuhmilch zum Trinken etwa 200 bis Milliliter pro Tag. Ganze Nüsse und Kerne gibt es erst ab vier oder Jahren, vorher gemahlen oder als Mus.

Groß- und Kleinschreibung ist egal.

Fragen aus der Beratung

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